2. Patentforum - Semantische Patentanalyse

Gastgeber: Merck KGaA


Computer intelligenter als der Mensch?

Wie kann man Patentverletzungen schnell erkennen?

Nach einem äusserst interessanten Vortrag von Herrn Dr. Lothar Walter (Uni Bremen) zur semantischen Patentanalyse kam der ein oder andere der rund 60 Teilnehmer des Patentforums wohl doch zu dem Schluss, dass der menschliche Geist nicht ganz so einfach zu ersetzen sei, wie man sich das in der täglichen Arbeit vielleicht manchmal wünschen würde.
Worum ging es?
Einfach gesagt um die Möglichkeit per Computerprogramm Recherchen in Patentdatenbanken so zu vereinfachen, dass der Suchende sehr schnell relevante Ergebnisse erhält, die sein Technikgebiet betreffen oder Konkurrenten ermittelt. So manch einer denkt, das ist doch einfach getan: einige relevante Suchbegriffe eingeben, und schon hat man alles zu Motoren von Windkraftanlagen oder der Firma XY. Aber weit gefehlt, denn bei Millionen von Patenten (weltweit werden jährlich 1.5 Millionen neu angemeldet) erhält man mit Sicherheit Tausende von Patenten die bei so einer einfachen Fragestellung erscheinen. Selbst die Eingrenzung auf bestimmte Patentklassen reicht nicht aus, um eine relevante Schriftenauswahl zu einer Innovation zu erhalten. Wie also die Relevanz rausfiltern, ohne dass Wichtiges verlorengeht? Wie zur ständigen Analyse von Neuentwicklungen der Konkurrenz gelangen, ohne hunderte von Neuanmeldungen durchzusehen?
Die Gruppe von Herrn Dr. Walter am IPMI in Bremen erforscht die Möglichkeiten und Grenzen solcher computergestützten Analysen. Zu berücksichtigen sind u.a.: Synonyme zu ermitteln, Schreibfehler zu erkennen, Bezugnahmen zum eigentlichen Suchproblem (also einem bestimmten Technikdetail) herzustellen und das Ganze dann grafisch so aufzuarbeiten, dass eine Landkarte entsteht, aus der die gesuchten Fundstellen zielsicher ermittelt werden können. Dabei wird eine semantische Textanalyse hinsichtlich sogenannter Subject-Action-Object-Korrelationen durchgeführt und die Häufigkeit von bestimmten Begriffen und Schlüsselwörtern sowie deren Zusammenhang statistisch in Beziehung gesetzt. Als Ergebnis kann eine Karte der technologischen Nähe einzelner Patente zueinander erstellt werden.
Damit ist man nach recht viel Vorarbeit seinem Ziel schon recht nahe und anstatt tausende von Patentschriften durchzulesen ist man vielleicht bei 20-50 gelandet (je nach Themengebiet). Aber das Beurteilen der so gefundenen „Punkte auf der Landkarte“ geht wiederum nur mit den altbewährten Augen die lesen und dem menschlichen Gehirn, dass zielsicher Sinnzusammenhänge herstellen kann und eine fachliche Beurteilung "so ganz nebenbei" mit einfliessen lässt.

Vertiefende Informationen zum Referenten:
Aktuelles und Persönliches


Beim Patentforum wurde auch der jährliche Leistungsreport des Patentinformationszentrums Darmstadt (PIZ) vorgestellt: Ganz links der Hauptreferent des Abends, Dr. Lothar Walter von der Uni Bremen, daneben Angelika Henow, Geschäftsführerin des Förderkreises, Rudolf Nickels, Leiter des PIZ, Dr. Stefan Horstmann, Leiter Patents Chemicals bei Merck, und Dr. Roland Lentz von der IHK Darmstadt, Vorstandvorsitzender des Förderkreises.